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abc-Etüden | Raum für mehr

By 9/21/2018 ,



Diese tolle Aktion #abc-Etüden von der lieben irgendwas ist immer habe ich durch Zufall in den Weiten des Internets gefunden.  Dort werden drei bestimmte Wörter vorgegeben, aus denen man eine Geschichte zaubern soll. Ich war sofort davon angetan, dass ich selbst mitmachen wollte. Und nun kommt meine erste Geschichte ...


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Das Licht erhellte den Raum, als die schweren Samtgardinen aufgezogen worden sind. Das Auge nahm jetzt alles im Raum wahr. An die Wände lehnten sich Leinwände. Manche von denen war noch im Rohzustand. Andere schmückten Farben. Es war eine echte Farbenpracht, die sich dem Zuschauer bot.
Plötzlich streifte den Blick eine Staffelei mit einer Leinwand drauf, die noch nicht vollendet war. Doch das was zu sehen war, glich wahrer Kunst. Eine Gartenlandschaft konnte man so dort erahnen. Der kleine Teich schimmerte schön in der Morgenröte. Im Wasser spiegelte sich eine junge Frau, die auf einer weißen Bank mit verschnörkelten Sitzlehnen saß.
 
Nach einer Weile war ein alter, gesetzter Mann in einer braunen Latzhose, unter der er ein blaues Jeanshemd trug, zu sehen. Er kam auf die Staffelei zu und betrachtete sein Werk. Glücklich sah er nicht gerade aus. Irgendetwas störte ihn. Er nahm einen seiner dickeren Pinsel in die linke Hand und tupfte mit weißer Farbe über eine Stelle der Leinwand. Er versuchte die Frau unkenntlich zu machen. Doch dies änderte nichts an seiner Laune. Er setzte sich auf den Stuhl vor der Staffelei und seufzte einige Mal laut vor sich ihn, bis er "Ich bin der Kunst überdrüssig. Ich bin müde." von sich gab.
Er stand wieder auf und ging in eine der Ecken des Raumes, kramte in einer Kiste, die im oberen Fach eines Regals stand. Mit dem Gegenstand, den er aus der Kiste hervor geholt hatte, ging er zur Staffelei und dann passierte es. Mit einer immensen Kraft und voller Wucht rammte er ein Messer in die Leinwand und zerstörte sein Kunstwerk. Dabei rief er immer wieder "Für so etwas brauche ich keine Leinwand verschwenden!". Nach seiner Tat stellte er die kaputte Leinwand zu den anderen unbrauchbaren in die Ecke und würdigte diese keines Blickes mehr.
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Tadaa. Die Wörter "Kunst - müde - verschwenden" waren vorgegeben. Viel Spass beim Lesen!



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4 Comments

  1. Wunderbar – und willkommen bei den Etüden-Verrückten! Es geht ja nicht nur darum, 3 wechselnde Wörter in eine Geschichte einzubauen, sondern sie muss auch maximal 300 Wörter umfassen – was du mit Bravour gelöst hast!
    Eine traurige Geschichte eigentlich. Warum zerstört dein Maler, was er vorher mit so viel Können erschaffen hat? Und vor allem – warum macht es (anscheinend) häufiger? Die Auflösung würde mich wirklich interessieren!
    Liebe Grüße
    Christiane

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    1. Hallo Christiane,
      danke für deine lieben Worte. Ja, vielleicht schreibe ich dazu mal eine Auflösung ☻ Ich habe mir gedacht, er ist in einer Sinnkrise gefangen und versucht auf radikale Weise einen Weg aus dieser Misere zu finden, was ihm nicht wirklich gelingen wird, glaube ich. Ich habe mich dabei ein bisschen von dem Schicksal des Malers Vincent van Gogh inspirieren lassen. Der ging sogar soweit, sich eines seiner Ohren abzuschneiden; also das wünsche ich mir wahrlich nicht für meinen Maler. ☻☻

      LG
      Isabel

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  2. Wie viele Seiten habe ich PC schon gelöscht, wie viele Seiten Papier zerknüllt und weg geworfen. Warum soll ein Maler nicht mal radikal sein, wenn er mit seinem Werk ganz und gar nicht zufrieden ist?

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    1. Hallo Werner,

      du hast den Nagel auf den Kopf getroffen. Aber es geht sogar noch tiefer, mein Maler befindet sich in einer schweren Sinnkrise und da hat man ja natürlich einen anderen Blick auf die Dinge. Für ihn muss es ganz und gar vollkommen sein, und das war es nicht für ihn. ☻

      LG
      Isabel

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